Unternehmerwissen für Steuerberater & Steuerkanzleien
Du kennst das vielleicht: Der Montag beginnt, und bevor du den ersten Kaffee ausgetrunken hast, hängt schon jemand im Team an einem Vorgang fest. „Wo liegt die Datei?“ – „Wer hat das zuletzt bearbeitet?“ – „Wieso ist das noch nicht im System?“ Und du denkst: Wenn wir das doch einfach automatisieren könnten.
Könntet ihr. Aber noch nicht jetzt.;-)
Nicht weil die Tools fehlen – sondern weil das Fahrzeug noch nicht spurstabil ist. Und ein Auto, das auf der Straße schlingert, fährt man nicht schneller. Man bringt es erst in die Spur.
Genau darum ging es beim delfi-net Workshop in Hamburg Anfang März 2026. Eineinhalb Tage mit Prozess- und Digitalisierungsberater Johannes Franz, eine Menge ehrlicher Kanzlei-Realität – und 7 Erkenntnisse, die wir für uns mitgenommen haben.
Fast jede Kanzlei will KI. Und fast jede Kanzlei stockt bei der Umsetzung. Zwei der Gründe, die am häufigsten genannt werden: Zeitmangel und fehlende Tools. Aber seien wir ehrlich – das sind oft nur die Warnlichter, die aufleuchten, wenn die Prozesse darunter nicht sauber sind.
Bevor du aber überlegst, was du brauchst, lohnt sich eine ehrlichere Frage: Was willst du eigentlich erreichen? Effizienzgewinn durch Automatisierung oder den Einsatz von KI? Das klingt ähnlich – ist es aber nicht. Automatisierung nimmt dir wiederkehrende, regelbasierte Aufgaben ab. KI geht einen Schritt weiter und trifft Einschätzungen, erkennt Muster, unterstützt Entscheidungen. Beides ist wertvoll. Beides braucht eine andere Herangehensweise.
Und trotzdem haben beide eine Gemeinsamkeit: Die Straße muss geebnet sein, sprich die Prozesse sauber strukturiert. Denn egal ob Automatisierung oder KI – auf holprigem, unmarkiertem Untergrund bringt dich kein Antrieb der Welt schneller ans Ziel. Er bringt dich schneller vom Weg ab.
Die gute Nachricht: Du musst nicht alles auf einmal umbauen. Aber du musst wissen, wo du anfangen sollst.
Ein schlechter Prozess wird durch ein neues Tool nicht besser – er wird nur schneller schlechter. Das klingt hart, ist aber eine der wichtigsten Erkenntnisse aus Hamburg.
Die „digitale Reife“ einer Kanzlei lässt sich nicht an der Anzahl der eingesetzten Tools ablesen. Sie zeigt sich daran, wie klar und zuverlässig die Abläufe dahinter funktionieren. Software kann Regeln technisch erzwingen – aber nur, wenn diese Regeln vorher klar definiert wurden.
Deshalb war die durchgehende Aufgabe im Workshop so simpel wie wirkungsvoll: „Schreib auf, wie dein Prozess heute wirklich abläuft – und wie er künftig ablaufen soll. Nicht wie er sollte. Wie er ist. Und wo er hin muss.“ Jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer hatte einen echten Kanzlei-Prozess mitgebracht und hat daran eineinhalb Tage lang aktiv gearbeitet. Das Ergebnis: eine Blaupause – nicht nur für diesen einen Prozess, sondern als Vorlage für alle anderen in der Kanzlei.
Der erste Schritt war geschafft. Wir hatten das Qualifying absolviert – und uns damit die Pole Position für alle weiteren Prozesse in der Kanzlei gesichert.
Eine der provokantesten Aussagen aus dem Workshop. Danke an Robert, einen der Teilnehmer, für dieses Bild: „Buchhalter stehen auf der roten Liste der bedrohten Arten – wie sieht das Artenschutzprogramm aus?“
Die Antwort ist keine Beruhigungspille, sondern eine echte Einladung zur Entwicklung: Wer Fibu-Prozesse optimiert, schafft freie Kapazitäten – und aus dem klassischen Buchhalter wird ein Data Auditor, ein Prozessmanager, jemand, der die Maschinen steuert statt von ihnen ersetzt zu werden.
Prozessoptimierung ist kein Angriff auf Arbeitsplätze. Sie ist das Upgrade, das Menschen befähigt, am Steuer zu sitzen.
Damit ein Prozess automatisierbar wird, braucht er drei Dinge – Johannes nennt es das Automatisierungsdreieck:
Fehlt eine dieser drei Ecken, fährt der Prozess im Kreis.
Bevor du in neue Tools investierst, lohnt sich ein ehrlicher Blick auf das, was du schon hast. Johannes hat dafür den 5×5-Check entwickelt – fünf Fragen, die du für jeden Prozess beantworten solltest:
Besonders der letzte Punkt ist kritisch: Manuelles Copy & Paste ist das ultimative Scheitern eines Prozesses. Jede Handkopie ist eine Einladung für Fehler – und ein KI-Killer.
Gute Software erzwingt Struktur. Sie sorgt dafür, dass Daten dort landen, wo sie hinmüssen – und nicht in einer Freitext-Mail, die drei Wochen später niemand mehr findet.
Drei Kategorien haben sich in Hamburg als relevant herauskristallisiert:
Software-Kategorie | Fokus & Nutzen für die Strukturierung | Technischer Mehrwert |
Kanzleisoftware (ERP) | Kernprozesse: Bildet das Rückgrat des Kanzleimanagements ab. | Zentrale Datenhoheit. |
Kollaborationslösungen & DMS | Übergaben & Kommunikation: Strukturiert den Informationsfluss und Mandantenportale. | Eliminiert z.B. unstrukturierte Mails. |
Fachliche Spezialsoftware | Teilprozesse: Unterstützt Nischen wie Lohn, HR oder e-Commerce. | Hochgradige Spezialisierung. |
Der entscheidende Gedanke: Oft liegt die Lösung nicht im neuen Tool, sondern darin, die Funktionen der bestehenden Software endlich vollständig auszuschöpfen.
Und ja, wir haben auch über Tools in Hamburg gesprochen – keine Werbung, sondern Praxiserfahrungen und uns beispielsweise angeschaut, wie eine Automatisierung mit Power Automate erstellt wird.
Dazu gab es noch weitere Tool-Tipps, hier eine Auswahl nach ihrem Prozess-Mehrwert:
Effizienz in Datenverarbeitung & Buchhaltung:
Management & Koordination:
Analyse & Visualisierung:
Du musst nicht alles auf einmal anpacken. Digitale Transformation ist kein großer Knall – sie ist das konsequente Schließen von Systembrüchen, Schritt für Schritt.
Fang mit einer einzigen Frage an: Welchen Prozess in deiner Kanzlei würdest du, wenn du ihn heute aus der Perspektive einer Maschine betrachtest, als „maschinenlesbar“ bezeichnen? Und welchen nicht?
Der Unterschied zwischen diesen beiden Antworten – das ist dein nächster Schritt. Und der lohnt sich. Versprochen.
Und wir haben für die delfi-net Kanzleien bereits den nächsten Workshop mit Johannes Franz Anfang Oktober geplant 🤩
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