Unternehmerwissen für Steuerberater & Steuerkanzleien

Führung mit Haltung

Führung mit Haltung: Warum klare Prioritäten am Ende alle zufriedener machen

Führung mit Haltung: Warum klare Prioritäten am Ende alle zufriedener machen

Stell Dir vor, Du sitzt einem Mitarbeiter gegenüber, der Dir gerade erklärt, dass er ein Angebot von einer anderen Kanzlei hat. Mehr Gehalt, mehr Flexibilität, mehr von allem. Er schaut Dich an. Du schaust ihn an. Und irgendwo in Deinem Kopf beginnt die Rechnung: Was kostet es mich, ihn zu verlieren? Was kostet es mich, nachzugeben?

Genau in diesem Moment entscheidet sich, ob Du führst – oder geführt wirst.

Führung in der Steuerkanzlei war lange eine überschaubare Angelegenheit. Die Hierarchie war klar, der Arbeitsmarkt war es auch. Wer einen guten Job in einer soliden Kanzlei hatte, blieb. Heute ist das anders. Der Fachkräftemangel hat die Machtverhältnisse verschoben. Mitarbeiter wissen, was sie wert sind – und sie sagen es auch. Das ist ihr gutes Recht. Die Frage ist nur: Wie gehst Du damit um?

Viele Kanzleiinhaber beschreiben das Gleiche: ein wachsendes Gefühl der Hilflosigkeit. Nicht weil sie schlechte Chefs wären. Sondern weil ihnen ein innerer Kompass fehlt, der ihnen in diesen Momenten sagt, wo Norden ist.

Mit dem LTI-Führungssystem – Leistung, Team, Individuum – entscheidest und kommunizierst Du klar und souverän. Führung mit Haltung heißt: In Gehaltsgesprächen, in Feedbackrunden, in all den Momenten, in denen Du als ChefIn gefragt bist.

Führung in der Steuerkanzlei: Warum das Individuum nicht an erster Stelle stehen kann

In den letzten Jahren ist in vielen Kanzleien etwas aus dem Gleichgewicht geraten. Aus Angst, gute Leute zu verlieren, haben Kanzleiinhaber Entscheidungen getroffen, die kurzfristig den Frieden sicherten – und langfristig für Unruhe sorgten.

Gehälter wurden erhöht, die nicht mehr ins Gefüge passten. Ausnahmen wurden gemacht, die das Team still wütend machten. Wünsche wurden erfüllt, die eigentlich nicht erfüllbar waren, ohne an anderer Stelle etwas zu beschädigen.

Das Ergebnis: Das Individuum hat sich in den Vordergrund gedrängt. Die Leistung – das eigentliche Ziel der Kanzlei – ist in den Hintergrund getreten. Und das Team, das täglich zusammenarbeitet und die Kanzlei am Laufen hält, hat zugeschaut. Häufig mit wachsender Frustration.

Führung in der Steuerkanzlei bedeutet nicht, Wünsche zu ignorieren. Es bedeutet, sie in den richtigen Rahmen zu setzen. Und dafür braucht es eine klare Priorität.

Das Modell: Drei Ebenen, eine Haltung

Das Führungsmodell, das wir bei den Kanzleioptimisten entwickelt haben, ist denkbar einfach. Es besteht aus drei Ebenen, die eine klare Reihenfolge haben:

Leistung – Team – Individuum.

Oben steht die Leistung. In der Mitte das Team. Unten das Individuum.

Dieses Modell ist kein Schaubild für die Kaffeeküche. Es ist kein Aushang, kein Leitbild für die Website, kein Gesprächseinstieg im nächsten Teammeeting. Es ist Führung mit Haltung – Deine innere Überzeugung als Führungsperson. Dein persönlicher Entscheidungskompass.

Zu jeder Ebene gehört eine Leitfrage. Sie sind Dein eigentliches Werkzeug.

Ebene 1: Führung beginnt mit Leistung

An der Spitze steht die Leistung. Das ist der Grund, warum es Deine Kanzlei gibt. Nicht das Wohlbefinden einzelner Mitarbeiter. Nicht die Harmonie im Büro. Sondern die Leistung, die Du für Deine Mandanten erbringst – und die wirtschaftliche Grundlage, die das alles erst möglich macht. Wenn es diese Leistung als verbindendes Moment nicht gäbe, würde sich das Team in dieser Zusammensetzung gar nicht kennen.

Leistung in der Steuerkanzlei bedeutet: Mandantenorientierung, Prozesse, Effizienz, Qualität und ein klar definierter Output. Was das konkret heißt, ist für jede Kanzlei und jede Rolle individuell zu bestimmen. Welchen Umsatz erwartest Du von einer Vollzeitkraft? Welche Qualität? Welche Eigenverantwortung?

Die Leitfrage lautet: Nützt oder schadet das Verhalten/ der Wunsch dem angestrebten Ergebnis?

Wenn ein Mitarbeiter eine Forderung stellt, ist die erste Frage nicht „Kann ich mir das leisten?“ oder „Was passiert, wenn ich Nein sage?“. Die erste Frage ist: „Trägt die Erfüllung dieser Forderung dazu bei, dass wir als Kanzlei unsere Ziele besser erreichen?“

Das klingt nüchtern. Es ist es auch. Und genau das ist die Stärke dieser Haltung.

Ebene 2: Führung schützt das Team

Direkt darunter kommt das Team. Nicht weil das Individuum unwichtig wäre, sondern weil nachhaltige Kanzleierfolge immer eine Teamleistung sind. Kein Einzelner, so brillant er auch sein mag, trägt eine Kanzlei allein.

Ein funktionierendes Team braucht Verlässlichkeit. Es braucht ein faires Gefüge – bei Gehältern, bei Regeln, bei Erwartungen. Wenn dieses Gefüge durch Ausnahmen für Einzelne beschädigt wird, leidet das gesamte Team.

Die Leitfrage lautet: Nützt oder schadet das Verhalten dem Team?

Eine Entscheidung, die einem Einzelnen nutzt, aber das Team demotiviert oder spaltet, ist auf lange Sicht immer eine schlechte Entscheidung. Du löschst einen Brand und legst dabei einen Schwelbrand. Der kommt später – und er ist schwerer zu löschen.

Führung in der Steuerkanzlei heißt auch: das Team vor kurzfristigen Entscheidungen schützen, die langfristig Schaden anrichten.

Ebene 3: Das Individuum – wichtig, aber eingebettet

Erst an dritter Stelle kommt das Individuum. Das klingt hart. Ist es aber nicht – wenn man es richtig versteht.

Einem Mitarbeiter geht es langfristig nur dann wirklich gut, wenn er Teil eines erfolgreichen Teams in einer wirtschaftlich gesunden Kanzlei ist. Ein überbezahlter Mitarbeiter in einer Kanzlei, die unter Druck gerät, ist kein zufriedener Mitarbeiter. Ein Mitarbeiter, der Sonderrechte genießt, während das Team murrt, ist kein glücklicher Mitarbeiter.

Die Leitfrage lautet: Nützt oder schadet das Verhalten dem Individuum?

Hier geht es darum, die Bedürfnisse des Einzelnen fair und transparent einzuordnen – im Kontext der Leistung und des Teams. Nicht ignorieren. Einordnen.

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